Große Daten

Einigung ohne Arbeitskampf Pharma- und Chemiebeschäftigte bekommen mehr Geld

Mar 26, 2026 IDOPRESS
Die Chemiebranche steckt in der Krise. Dennoch ist es gelungen, einen neuen Tarif ohne Streik auszuhandeln. Den letzten Ausstand gab es vor über einem halben Jahrhundert.

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Anlagen von Dow Chemical im Chemiepark Böhlen: Schwere Zeiten

Foto: Jan Woitas / dpa / picture alliance

Lohnplus in schwierigen Zeiten: Die rund 585.000 Beschäftigten in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie erhalten mehr Lohn und Gehalt. Darauf haben sich die Branchengewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC nach zweitägigen Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Breisig geeinigt. Zudem verpflichten sich die Arbeitgeber zu Zahlungen für die Beschäftigungssicherung in der kriselnden Chemieindustrie.

Demnach steigen die Löhne und Gehälter für die Beschäftigten in zwei Stufen: ab Januar 2027 um 2,1 Prozent und ab Januar 2028 um weitere 2,4 Prozent. Von März bis Dezember des laufenden Jahres bleiben die Entgelte aber auf bisherigem Niveau. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags reicht über 27 Monate bis Ende Mai 2028. Unternehmen,die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind,können eine oder beide Stufen der Tariferhöhung um drei Monate vorziehen.

Geld zur Jobsicherung

Für 2026 und 2027 zahlen die Unternehmen zudem einen Beitrag zur Beschäftigungssicherung von je 300 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Für Auszubildende sind 150 Euro vorgesehen. Das Geld fließt in den seit 2010 bestehenden Demografiefonds der Branche,der bisher genutzt wird,um etwa Altersteilzeit und betriebliche Altersversorgung zu finanzieren. Er wird nun zur Jobsicherung erweitert: Aus dem Topf können Projekte zur Standortsicherung,Umqualifizierung oder Arbeitszeitreduzierung bezahlt werden. Das sei ein bundesweites Novum in einem großen Flächentarifvertrag,so die IG BCE.

»Die Einigung spiegelt die Krise der Branche wider«,sagte BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel. Matthias Bürk,Verhandlungsführer der Arbeitgeber,betonte,die lange Laufzeit gebe Firmen viel Planungssicherheit. Zudem zahlten die Arbeitgeber erst ab 2027 – »und das zu krisengerechten Konditionen«.

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis betonte,für den Krisen-Abschluss seien die Arbeitnehmer bis an die Schmerzgrenze gegangen. Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre habe sowohl der Branche als auch ihren Beschäftigten zugesetzt. Mit dem Irankrieg habe sich die Lage nochmals zugespitzt.

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Der Chemie-Abschluss ist die erste größere Einigung in der deutschen Industrie in diesem Jahr. Für den öffentlichen Dienst der Länder hat Ver.di einen Abschluss über 27 Monate erreicht,der den Beschäftigten in drei Stufen 5,8 Prozent mehr Geld bringt. Streiks und Warnstreiks machen den Bürgern vor allem im Verkehr das Leben schwer,wenn Piloten der Lufthansa oder Bahn- und Busfahrer die Arbeit niederlegen. Im Herbst verhandelt die IG Metall mit den Arbeitgebern über die Gehälter von rund 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie.

In der Chemieindustrie wiederum haben es die Tarifpartner erneut geschafft,ohne Arbeitskämpfe zu einer Einigung zu kommen. Den letzten Streik in der Branche gab es vor mehr als einem halben Jahrhundert – im Jahr 1971.

mamk/dpa-AFX