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Aufsichtsrat beim Autokonzern Niedersachsens Ministerpräsident Lies warnt vor Massenentlassungen bei VW

Aug 27, 2026 IDOPRESS

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Olaf Lies am VW-Werk in Osnabrück

Foto: David Ebener / dpa

Der VW-Konzern steckt in einer tiefen strukturellen Krise. Seine in Deutschland hergestellten Autos gelten als zu teuer und als zu wenig innovativ. Wie Vorstandschef Oliver Blume dem möglicherweise begegnen will,stößt jedoch auf Widerstand.

»Es ist meine klare Erwartungshaltung an den Vorstand,für ein tragfähiges Zukunftskonzept zu sorgen«,sagte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies,der zugleich Aufsichtsrat bei VW ist. »Werksschließungen und massenhafte Entlassungen können nicht die Lösung sein«,warnte der SPD-Politiker.

Nach Ankündigung von Vorstandschef Oliver Blume,den Sparkurs zu verschärfen,wird beim größten Autobauer Europas um Zehntausende zusätzliche Jobs und vier ganze Standorte gebangt. Der mächtige Betriebsrat reagierte entrüstet und berief außerordentliche Betriebsversammlungen an insgesamt neun Standorten ein.

Jede vierte Manager-Stelle soll weg

Schließlich schreibt der Volkswagenkonzern bei allen strukturellen Problemen keine Verluste und steht auch nicht kurz vor der Pleite. Vergangenes Jahr erwirtschaftete er noch einen Gewinn von fast sieben Milliarden Euro – nach Steuern. Allerdings fehlt es an einem Plan,wie das Geschäftsmodell der Zukunft aussehen kann.

»Die gesamte Autoindustrie steht unter enormem Druck«,sagte Vorstandschef Blume. US-Zölle,die Marktentwicklung in China und mehrere politische Krisen zählt er zur Lagebeschreibung auf,die alle großen Hersteller und auch Zulieferer treffe. Blume hatte bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg davon gesprochen,dass ​rechnerisch ​50.000 Arbeitsplätze weltweit wegfallen müssten,um die Ziele bei den Gemeinkosten zu erreichen,die Hälfte davon in Deutschland. In Emden betonte er,dass auch das Management davon betroffen sei: Jeder vierte Managerposten werde gestrichen: »Alle Bereiche müssen ‌ihren Teil beitragen.«

Laut dem Branchenexperten Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) muss Volkswagen ein »Quantensprung« gelingen. Effizienzsteigerung und eine organisatorische Neuaufstellung für mehr Schnelligkeit und Flexibilität seien nötig. »Andererseits müssen völlig neue Wachstumsfelder erschlossen werden,um in der disruptiven Phase der Branche langfristig zu überleben«,sagte Bratzel. Der Konzern stehe vor großen Herausforderungen. »Das wird nicht ohne große Konflikte über die Bühne gehen«.

Land mit eigenem Konzept im Aufsichtsrat?

Nach dem Auftakt der Betriebsversammlungs-Tour in Wolfsburg und Besuchen in den als bedroht geltenden Werken in Emden und Zwickau werden Vertreter des Vorstands diesen Donnerstag im Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden erwartet. In Dresden werden bereits keine Fahrzeuge mehr produziert. Neben Emden und Zwickau gibt es für das Nutzfahrzeugwerk in Hannover und den Audi-Standort in Neckarsulm keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre.

Zu Zwickau hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nun Hoffnung für den Standort geäußert,dass hier neue Fahrzeuge gefertigt werden könnten. »Volkswagen hat das Angebot gemacht,dass das effizienteste Werk in der Volkswagen Gruppe dann diese Produktion bekommt«,sagte der CDU-Politiker dem MDR. Er sei sich sicher,»dass die Sachsen ganz viel liefern werden,dass sie kreativ sind,dass sie auch bereit sind,Beiträge zu bringen«,damit das von Schließung bedrohte Zwickauer VW-Werk seine Effizienz steigern kann.

Bei der Ausgestaltung des Sparprogramms dringt Olaf Lies derweil auf einen geschlossenen Kurs von Vorstand und Arbeitnehmern. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 4. September wäre es ein positives Signal,wenn es gelänge,ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen,sagte ‌Lies am Mittwoch in Osnabrück. »Am Ende arbeiten wir alle auf einen 4. September hin,wo es zu einem vernünftigen gemeinsamen Beschluss kommt.«

Allerdings ist es unklar,ob das gelingt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet,haben sowohl das Land als auch die Arbeitnehmerseite ein eigenes Konzept für die anstehende 395. Aufsichtsratssitung vorgelegt. Das wäre ein äußerst ungewöhnlicher Schritt bei Volkswagen. Der Autokonzern ist sonst auf Konsens bedacht,Entscheidungen im Aufsichtsrat werden in der Regel einstimmig getroffen,selbst Enthaltungen einzelner Aufsichtsratsmitglieder sind äußerst selten. Bereits im Juli hatten sich Land und Arbeitnehmer mit ihren zwölf Stimmen allerdings gegen ​den Vorschlag von VW-Chef Oliver Blume gestellt,der unter anderem den Abbau zehntausender Stellen vorsieht und mehrere Werke in Deutschland langfristig zur Disposition stellt.

Lesen Sie hier mehr zum Besuch im von der Schließung bedrohten Werk in Zwickau: »Das wäre der endgültige Untergang. Dann ist hier gar nichts mehr los.«

apr/dpa/Reuters