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Teuerung in Deutschland Inflation sinkt überraschend auf 2,3 Prozent

Jul 1, 2026 IDOPRESS

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Eine Frau bezahlt mit Bargeld auf einem Wochenmarkt ihre Einkäufe

Foto: Sebastian Kahnert / dpa / picture alliance

Die Inflation in Deutschland hat an Tempo verloren. Im Juni lagen die Verbraucherpreise um 2,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. So teilt es das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mit. Im Mai hatte die Rate noch bei 2,6 Prozent gelegen,im April bei 2,9 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten zuvor erwartet,dass die Inflationsrate sich nicht verändern würde.

»Die Entspannung im Irankonflikt hat zuletzt die globalen Ölpreise auf das Vorkrisenniveau fallen lassen«,sagte der Ökonom der Berenberg Bank,Felix Schmidt. »Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den deutschen Inflationszahlen wider.« ​Die USA und Israel hatten Ende Februar Iran attackiert,der Krieg hatte die Energiepreise in die Höhe getrieben.

Um Verbraucher und Unternehmen bei den Spritkosten zu entlasten,hatte die Bundesregierung im Mai einen Tankrabatt eingeführt,mit der die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 17 Cent je Liter sank. Die Subvention,die an diesem Dienstag ausläuft,dämpft nach Einschätzung der Bundesbank die Inflation um etwa einen viertel Prozentpunkt und hatte schon im Mai die Teuerungsrate deutlich gedrückt.

»Die Inflation ist im Juni vor allem wegen des gesunkenen Ölpreises zurückgegangen«,sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. »Im Juli sollte sie aber wieder steigen,weil der Tankrabatt wegfällt.«

Spritpreise sinken

Im Juni lagen die Spritpreise deutlich unter dem Niveau von Mai,zeigen Daten des ADAC. In den ersten 29 Tagen des Monats war Superbenzin der Sorte E10 im Schnitt knapp sechs Prozent günstiger als im Mai und Diesel sogar knapp neun Prozent. Dahinter steckt allerdings nicht nur der Tankrabatt,der nach einer Ifo-Analyse gerade bei Diesel nur begrenzt an Verbraucher weitergegeben wurde,sondern auch der Rückgang der Ölpreise.

An anderer Stelle stiegen die Preise für Verbraucher. Für Nahrungsmittel mussten die Menschen in Deutschland im Juni laut Statistik 0,4 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor – ebenso wie im Mai. Dienstleistungen,zu denen Restaurantbesuche und Reisen zählen,verteuerten sich erneut um 3,1 Prozent (Mai: 3,1 Prozent).

Volkswirte fürchten,dass Unternehmen zeitverzögert höhere Energie- und Transportkosten an Kunden weitergeben und die Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen weiter steigen. Auch die Importpreise sind angezogen,sie stiegen im Mai so stark wie seit Ende 2022 nicht mehr. Immerhin: Aktuell planen nach Ifo-Daten weniger Firmen Preiserhöhungen.

Der Krieg in Iran verunsichert Verbraucher und bremst den privaten Konsum,der eine wichtige Stütze für die Konjunktur ist. Die Wirtschaftsweisen erwarten dieses Jahr einen deutlichen Anstieg der Inflation auf im Schnitt 3,0 Prozent – nach moderaten 2,2 Prozent 2025.

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft der Verbraucher: Sie können sich dann für einen Euro weniger leisten. Nach der Preiswelle infolge des Ukrainekriegs ebbte die Teuerung ab,viele Preise sind aber dauerhaft erhöht.

Weitere Zinserhöhung die EZB erwartet

Mit dem Irankrieg ist auch der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) gestiegen. Da die Inflation in der Eurozone mit dem Ölpreisschock stark anzog,hat sie die Leitzinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren erhöht. Die Notenbank erwartet,dass sie ihr Preisziel von zwei Prozent erst 2028 wieder erreicht. EZB-Direktorin Isabel Schnabel stellte zuletzt weitere Zinserhöhungen in Aussicht.

Die EZB steht dabei vor einer Gratwanderung: Höhere Zinsen verteuern Kredite,was die Nachfrage bremsen und die Teuerung dämpfen kann. Allerdings sind höhere Zinsen eine Bürde für die ohnehin schwache Wirtschaft im Euroraum.

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Berenberg-Experte Schmidt meint,die sinkende Inflation könne eine gute Nachricht für die EZB sein. »Die durch den Irankrieg ausgelöste Inflationswelle scheint ‌sich abzuschwächen«,sagte Schmidt. Dies könnte der EZB erlauben,von einer weiteren Zinsanhebung im Juli abzusehen.

»Langsam,aber sicher steigen die Zinsen. Das ist tückisch,weil es fast unmerklich geschieht. Die Art und Weise,wie wir mit Geld umgehen,dürfte sich bei höheren Zinsen grundlegend verändern«,meint Experte Henrik Müller. Seine SPIEGEL-Kolumne lesen Sie hier.

ptz/Reuters/dpa