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Die Westafrikanische Sandrasselotter gehört zu den Vipern
Foto: imageBROKER / Sunbird Images / IMAGO
Weltweit werden einer Studie zufolge wesentlich mehr Menschen von Giftschlangen gebissen als bisher angenommen. Ein Autorenteam kommt im Fachmagazin »Plos Medicine« zu dem Schluss,dass pro Jahr zwischen 2,1 und 7 Millionen Menschen solche Bisse erleiden. Daran sterben demnach jährlich zwischen 274.000 und 513.000 Menschen.
Fast die Hälfte der Vergiftungen und Todesfälle (45 Prozent) entfällt demnach auf Afrika südlich der Sahara,mehr als ein Viertel (27 Prozent) auf Südasien. Allerdings räumt das internationale Forschungsteam um Dileepa Senajith Ediriweera von der Liverpool School of Tropical Medicine ein,dass die Datengrundlage für die Schätzungen teilweise sehr dünn ist.
»Obwohl Vergiftungen durch Schlangenbisse als großes Gesundheitsproblem gelten,sind verlässliche Daten zu Häufigkeit und Sterblichkeit in den ländlichen Tropen,wo die Schlangenbisse meistens vorkommen,sehr spärlich«,schreibt die Gruppe. Da die meisten Betroffenen nicht ins Krankenhaus gingen,sondern traditionell behandelt wurden,dürften deutlich mehr Bisse und Todesfälle auftreten,als offiziell erfasst werden.
Dass die Zahl wesentlich höher liegt als bisher vermutet,schließt das Team aus einer Auswertung der Literatur zu Schlangenbissen von 2007 bis 2025,in der 79 Länder aufgeführt werden. Auf Grundlage der Daten und von Modellen,die geografische Verteilung und räumliche Nähe einbezogen,berechnete das Team einen niedrigen und einen hohen Schätzwert.
Der aktuellen Analyse zufolge ist Afrika südlich der Sahara mit 124.000 bis 232.000 Todesfällen pro Jahr am stärksten betroffen,gefolgt von Südasien – 75.000 bis 140.000 Tote –,dahinter folgen die Regionen Ostasien und Pazifikraum (35.000 bis 64.000),Lateinamerika und Karibik (30.000 bis 52.000) sowie der Nahe Osten und Nordafrika (12.000 bis 22.000).
»Wir schätzen,dass es jedes Jahr zu mindestens 825.000 Fällen von schwerer körperlicher Behinderung kommt.«
Autorenteam der »Plos-Medicine«-Studie
Die meisten Fälle weltweit entfallen auf Länder mit geringem Einkommen,heißt es weiter. In wohlhabenderen Ländern komme es weniger in natürlicher Umgebung zu Schlangenbissen,stattdessen häufiger in Zoos,Reptilienhäusern,Privatsammlungen oder bei Haltern exotischer Tiere. In solchen Ländern schätzt das Team die Zahl der jährlichen Todesfälle auf insgesamt etwa 150.
»Unsere Schätzungen haben nicht die mit Schlangengiften verbundenen chronischen Behinderungen untersucht«,heißt es. »Aber davon ausgehend,dass Amputationen und andere permanente körperliche Behinderungen etwa dreimal so häufig sind wie Todesfälle,können wir schätzen,dass es jedes Jahr zu mindestens 825.000 Fällen von schwerer körperlicher Behinderung kommt.« Nicht mitberechnet seien chronische psychologische Behinderungen durch Bisse.


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Afrikanische Speikobra
Foto: imageBROKER / Sunbird Images / IMAGO
Es gibt mehr als 3000 Schlangenarten,über 600 davon sind giftig. Fachleute unterscheiden hauptsächlich zwischen Vipern (Viperidae) und Giftnattern (Elapidae). Viele Schlangen bilden regelrechte Giftcocktails mit einem Spektrum unterschiedlicher Wirkungen,was die Behandlung enorm erschwert.
Gegengifte sind teuer und fehlen häufig – vor allem in ländlichen Regionen,wo die meisten Menschen gebissen werden. Sie werden derzeit hergestellt,indem man etwa Pferden Schlangengifte verabreicht und dann aus dem Blutserum der Tiere Antikörper isoliert.
Seit einiger Zeit suchen verschiedene Forschungsteams gezielt nach Breitband-Gegengiften,die im Labor hergestellt werden können. Die Mittel sollen nicht nur gegen das Gift einer einzelnen Schlangenart wirken,sondern gegen die Gifte vieler verwandter Arten.
alw/dpa